Hier nun ein Beispiel für den Ablauf einer optimalen Eingewöhnungsphase:

Dreitägige Grundphase:

Es geht in dieser Zeit vor allem darum, dass Ihr Kind lernt, dass es in der neuen Umgebung sicher und geborgen ist. Ich beobachte die Situation und nehme vorsichtig Kontakt auf.
In den ersten Tagen reicht es aus, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ein bis zwei Stunden bei mir sind. Wie lange diese Anwesenheitszeit ist, richtet sich danach, ob Ihr Kind sich auch noch nach zwei Stunden wohl fühlt. In den ersten drei Tagen findet kein Trennungsversuch statt. Sie sollten sich möglichst im Hintergrund halten und als vertraute Person Ihrem Schatz bei seinen ersten Entdeckungstouren in der neuen Umgebung durch Ihre Anwesenheit Sicherheit geben. Wenn Ihr Kind in einer Situation überfordert ist oder Angst hat, wird es bei Ihnen Schutz suchen und sich anfangs auch nur von Ihnen trösten lassen. Es ist wichtig, dass Sie nicht versuchen, es zu mir zu schicken. Ihr Kind entscheidet selbst, wann es Kontakt zu mir aufnimmt.

Erster Trennungsversuch:

Sie kommen am vierten Tag mit Ihrem Kind, verabschieden sich aber nach einigen Minuten für ungefähr eine halbe Stunde und bleiben in der Nähe (über Handy) erreichbar.
Bleibt Ihr Schatz nach der Verabschiedung ruhig oder weint nur kurz und lässt sich schnell von mir trösten und beruhigen, dann kann die Trennungszeit in den nächsten Tagen ausgedehnt werden. Das Beobachten der Reaktionen Ihres Kindes ist dabei besonders wichtig.
Lässt sich Ihr Kind beim ersten Trennungsversuch nach einigen Minuten nicht trösten, sollte die Eingewöhnung zunächst wie in der Grundphase weitergeführt werden. Ein Trennungsversuch findet dann frühestens wieder am siebten Tag statt.
Ab dem Zeitpunkt, an dem Ihr Kind mich als Vertrauensperson akzeptiert und sich von mir trösten lässt, ist die Eingewöhnung gelungen.

Grundsätzliches:

Verabschieden Sie sich in jedem Fall immer von Ihrem Schatz. Schleichen Sie sich niemals heimlich davon, dies würde das Vertrauen Ihres Kindes in Sie gefährden. Nach einer solchen Erfahrung würde sich Ihr Kind beim nächsten Trennungsversuch ängstlich an Sie klammern, um Ihr unbemerktes Verschwinden zu verhindern. Dehnen Sie den Abschied aber auch nicht unnötig aus - hierdurch signalisieren Sie Unsicherheit und provozieren dementsprechende Reaktionen Ihres Kindes.
Ob sich Ihr Kind von Ihnen trennen kann, hängt auch von Ihrer inneren Einstellung, Ihrer Sicherheit und dem Vertrauen zur mir ab. Ihr Schatz beobachtet die von Ihnen ausgesandten Signale genau und löst sich leichter von einem fröhlichen, optimistischen Elternteil als von einem ängstlich und unsicher wirkenden.
Beginnen Sie nach Möglichkeit mit der Eingewöhnung - aber vor allem mit der regelmäßigen Betreuung - nicht kurz vor einem Urlaub. Ihr Kind würde dadurch verunsichert und eine zweite Eingewöhnungsphase wäre erforderlich.
Vermeiden Sie den Beginn der Eingewöhnung und Fremdbetreuung, wenn sich in Ihrer Familie gerade etwas Wesentliches verändert hat, z. B. Umzug, Geburt eines Geschwisterchens, Verlust einer Bezugsperson.

Manchmal gibt es aber auch keine Möglichkeit für eine sanfte Eingewöhnung, zum Beispiel dann, wenn Sie kurzfristig wieder arbeiten müssen. Erstaunlicherweise kommen die meisten Kinder damit recht gut klar. Sie merken anscheinend, dass es nicht anders geht und fügen sich sehr schnell ein. Erfahrungsgemäß spielt dabei dann aber der erste Kontakt zur mir eine entscheidende Rolle.